Synthetische Bohnenblätter zur Bekämpfung von Bettwanzen

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Forscher entwickeln Methode zur Bekämpfung von Bettwanzen

Der Einsatz von Bohnenblättern zur Bekämpfung von Bettwanzen bewährt sich in Südosteuropa schon seit Jahrhunderten. Die Blätter besitzen feine, scharfe Härchen, mit denen sie die lästigen Tiere aufspießen. Forscher aus den USA versuchen nun, die Bohnenblätter künstlich herzustellen, um eine effektive Alternative zu den herkömmlichen Bekämpfungs-Methoden zu entwickeln. Bisher behandeln Schädlings-Bekämpfer die Bettwanzen mit Insektiziden. In einigen Regionen sind die Tiere bereits resistent gegen den Wirkstoff. Neue Möglichkeiten sind daher gefragt.

 

Bettwanzen verbreiten sich zunehmend

Dank der verbesserten Hygiene-Standards galten Bettwanzen einige Zeit nur noch als seltene Plage. Auch fand die Bekämpfung der lästigen Tiere mit Pestiziden statt, die das Gesetz heute in Deutschland verbietet.

In den letzten Jahren stieg der Befall von Bettwanzen erneut an. Eine Ursache sind die zunehmend globalen Handelswege, über die die lästigen Insekten in deutsche Haushalte gelangen. Die veränderten Reise-Gewohnheiten vieler Menschen begünstigen zudem die Verbreitung der Bettwanzen. Da sie sich vielerorts resistent gegen die gängigen Insektizide zeigen, entwickelt sich die Bekämpfung zunehmend zu einer Herausforderung.

 

Wie Bohnenblätter als Bekämpfungsmittel wirken

In den Balkanregionen, vor allem in Bulgarien und Serbien, ist es seit Jahrhunderten üblich, Bettwanzen mithilfe von Bohnenblättern unschädlich zu machen. Die Bewohner streuen abends, bevor sie schlafen gehen, einige der Bohnenblätter um ihre Betten herum. Kommen die Bettwanzen nachts aus ihren Verstecken, um die Schlafenden zu beißen, verfangen sie sich darin. Am nächsten Tag verbrennen die Bewohner die Blätter mitsamt den Wanzen.

Ein Bohnenblatt verfügt über winzige Härchen. Sie sind sehr scharf und besitzen Widerhaken. Läuft eine Bettwanze über das Blatt, bleibt sie hängen und ist nicht mehr in der Lage, sich zu befreien. Die Härchen durchstechen die Beine und Füße des Insekts. Sie spießen es auf und nageln es fest. Die Bewohner entfernen und verbrennen die Blätter und sind bald von ihrer Schädlingsplage befreit.

 

Forscher versuchen, Bohnenblätter synthetisch herzustellen

Ein Nachteil der Bekämpfungsmethode aus dem Balkan ist, dass die Bohnenblätter sich nicht lange halten. Zudem sind sie nur schwer in großen Mengen bereitzuhalten. Zudem zeigen sie ihre Wirkung nur am Boden, nicht an den Wänden oder in den Ritzen und Spalten, die den Bettwanzen als Verstecke dienen. Aus genannten Gründen versuchen Wissenschaftler der University of California in Irvine, die Oberfläche der Bohnenblätter synthetisch nachzustellen.

Um eine Kopie des Bohnenblatts zu erhalten, stellten die Wissenschaftler Negativ-Abdrücke des Blattes her. In diese gossen sie verschiedene Harze, um die unterschiedlichen Eigenschaften der Materialien zu testen.

In den Härchen des künstlichen Bohnenblattes verfingen sich nur einige der Schad-Insekten. Sie spießten dabei keine Bettwanze auf. Grund dafür ist möglicherweise die Tatsache, dass die natürlichen Härchen innen hohl sind, während die künstlichen aus massivem Material bestehen. Daher sind die nachgestellten Härchen weniger flexibel und nicht in der Lage, die empfindlichen Stellen an den Beinen und Füßen der Bettwanzen zu erreichen.

 

Vorteile synthetisch nachgestellter Bohnenblätter

Die Wissenschaftler der University of California arbeiten weiter daran, ihre Imitation des Bohnenblattes zu optimieren. Schwierig ist das, weil die Härchen desselben sehr dünn und fein sind.

Ließe sich das synthetische Bohnenblatt realisieren, brächte dies bedeutende Vorteile für die Eliminierung der Cimex lectularius. Beispiele hierfür sind:

  • Bekämpfung von Bettwanzen auf natürliche Weise,
  • weniger Einsatz von Chemikalien,
  • Senkung der Kosten und des Aufwands,
  • bessere Möglichkeiten zur Weiter-Verarbeitung im Vergleich zum natürlichen Bohnenblatt.

Der Kostenfaktor ist für viele Betroffene eines Befalls von Bettwanzen wichtig. In den USA ist die Plage größer als in Deutschland. Dort gibt der Staat jährlich etwa 250 Millionen Dollar für die Bekämpfung der Schad-Insekten aus. Das liegt hauptsächlich an teuren Methoden wie der Kältebehandlung. Mit der Imitation des Bohnenblattes wären diese Kosten deutlich niedriger.

 

Synthetisch nachgeahmte Bohnenblätter als Bettwanzen-Falle

Die Methode, Bettwanzen mithilfe von Bohnenblättern zu bekämpfen, kennen Bewohner des Balkans bereits seit Jahrhunderten. Die Wissenschaftler der University of California erforschten die Funktionsweise des natürlichen Hausmittels. Die feinen Härchen, welche die Bettwanzen aufspießen, versuchten sie synthetisch nachzustellen. Das Ergebnis stellte sie nicht zufrieden, daher arbeiten sie weiter an einer optimalen Imitation des Bohnenblattes. Gelingt es ihnen, geschieht die Bekämpfung der Bettwanzen in Zukunft einfach und kostengünstig.

 

weiter

http://rsif.royalsocietypublishing.org/content/10/83/20130174.full

http://www.welt.de/wissenschaft/article115172489/Haare-von-Bohnenblaettern-spiessen-Bettwanzen-auf.html